Generic filters
FS Logoi

Doppelte Kosten: CO2-Entnahmetechnologien bitten zur Kasse

Forschendende vergleichen die potenziellen Kosten von drei CO2 Technologien, die bereits heute im Einsatz sind: jene des ETH-​Spin-offs Climeworks sowie die Abscheidung von CO2 in wässriger Lösung und durch Kalziumoxid.

von | 08.03.24

CO2 aus Luft entfernen: Kosten höher als erwartet
Quelle: catazul I Pixabay
Kohlenstoffmanagement CO2
08.03.2024 I ETH-​Forschende berechnen, dass es im Jahr 2050 zwischen 230 und 540 Dollar kosten könnte, eine Tonne CO2 aus der Luft zu entfernen. Bisher ging man von halb so hohen Kosten aus. Drei verschiedene CO2 -Entnahmetechnologien sind im Einsatz. Jetzt müssen Kosten minimert werden.

Forschendende vergleichen die potenziellen Kosten von drei CO2-Entnahmetechnologien, die bereits heute im Einsatz sind: jene des ETH-​Spin-offs Climeworks sowie die Abscheidung von CO2 in wässriger Lösung und durch Kalziumoxid. Mit Blick auf die möglichen Kosten hat aus heutiger Sicht keine dieser Technologien klare Vorteile gegenüber den anderen. Alle drei sollten daher laut den Forschenden weiterentwickelt werden.

Nicht auf Ausbau von DAC-​Anlagen warten

Die Schweiz will bis spätestens 2050 klimaneutral werden. Dazu muss sie ihre Treibhausgasemissionen deutlich senken. Gemäss der Klimastrategie des Bundes gilt ein Teil dieser Emissionen – vor allem in der Landwirtschaft oder in der Industrie – als kaum vermeidbar. Die Schweizer Klimapolitik sieht deshalb vor, fünf Millionen Tonnen CO2 aktiv aus der Luft zu filtern und dauerhaft unterirdisch zu speichern. Zum Vergleich: Weltweit müssten nach Berechnungen des Weltklimarats IPCC ab 2050 bis zu 13 Milliarden Tonnen CO2 jährlich aus der Atmosphäre entfernt werden.

Wie einfach diese Ziele zu erreichen sind, hängt davon ab, ob es gelingt, die Kosten der als Direct Air Capture (DAC) bezeichneten Technologien zu senken. Das ETH-​Spin-off Climeworks betreibt eine Anlage in Island, die heute 4000 Tonnen CO2 pro Jahr absaugt. Die Kosten pro Tonne liegen dabei etwa zwischen 1000 und 1300 Dollar. Doch wie schnell werden diese Kosten durch Skaleneffekte sinken?

ETH-​Forschende haben eine neue Methode entwickelt, um die zukünftigen Kosten verschiedener DAC-​Technologien besser abschätzen zu können. CO2 aus der Luft zu filtern wird mit zunehmender Skalierung der Technologien zwar deutlich billiger werden, aber nicht so billig, wie das manche Akteure erwarten. Statt der oft kolportierten 100 bis 300 Dollar pro Tonne CO2 dürfte der Preis eher bei 230 bis 540 Dollar liegen.

«Die Verfügbarkeit von DAC-​Technologien sollte auf keinen Fall unsere Anstrengungen reduzieren, CO2 -​Emissionen zu vermeiden. Gleichzeitig dürfen wir aber auch nicht mit dem Ausbau von DAC-​Anlagen warten, da wir diese Technologien für kaum vermeidbare Emissionen brauchen», sagt Bjarne Steffen.

Der ETH-​Professor für Klimafinanzierung hat die Methode gemeinsam mit Katrin Sievert, Doktorandin an seiner Forschungsgruppe, und ETH-​Professor Tobias Schmidt entwickelt.

CO2 -Technologien & ihre Kosten

Die ETH-​Forschenden vergleichen mit ihrer neuen Methode die mögliche Kostenentwicklung von drei Technologien, die bereits heute CO2 aus der Luft filtern. Das Verfahren der Schweizer Firma Climeworks, bei dem ein festes Filtermaterial mit einer grossen Oberfläche CO2 bindet, könnte bis 2050 zwischen 280 und 580 Dollar pro Tonne kosten.

Die geschätzten Kosten der beiden anderen DAC-​Technologien liegen in ähnlichen Bereichen: Für die Abscheidung von CO2 als wässrige Lösung mit Kaliumhydroxid – ein Verfahren das zum Beispiel die kanadische Firma Carbon Engineering kommerzialisiert hat – nennen die Forschenden eine Spanne von 230 bis 540 Dollar pro Tonne. Und für die Abscheidung mit Kalziumoxid, das aus Kalkstein gewonnen wird, liegen die geschätzten Kosten zwischen 230 und 835 Dollar. Dieses Verfahren wird zum Beispiel von der US-​amerikanischen Firma Heirloom Carbon Technologies angeboten.

Komponenten im Fokus

Die Kostenentwicklung neuer Technologien ist vor allem dann schwer abzuschätzen, wenn es dafür kaum Erfahrungswerte gibt. Dies trifft auf DAC-​Technologien zu: Sie sind noch nicht lange genug im Einsatz, um die zukünftige Kostenentwicklung auf der Grundlage vergangener Daten vorhersagen zu können. Die ETH-​Forschenden lösen dieses Problem, indem sie sich auf die Komponenten der verschiedenen DAC-​Anlagen konzentrieren und deren Kosten einzeln schätzen. Diese Komponenten liessen sie dann von 30 Expert:innen aus der Industrie daraufhin bewerten, wie komplex ihr technologisches Design ist und wie gut sie standardisierbar sind.

Bei wenig komplexen Komponenten, die sich für die Massenproduktion eignen, gehen die Forschenden davon aus, dass die Kosten stärker fallen. Bei komplexen Teilen hingegen, die für jede Anlage neu angepasst werden müssen, dürften die Kosten nur langsam sinken. Zudem werden in DAC-​Anlagen auch bereits ausgereifte Komponenten wie Kompressoren eingesetzt, deren Kosten sich kaum mehr senken lassen. Zu den geschätzten Kosten für die einzelnen Teile kommen dann noch die Kosten für die Integration aller Komponenten sowie die Energie-​ und Betriebskosten hinzu.

Trotz der grossen Unsicherheiten in den Schätzungen ist die Botschaft der Forschenden klar:

«Aus heutiger Sicht ist nicht abschätzbar, welche der verfügbaren Technologien sich durchsetzen werden. Es ist daher entscheidend, alle Optionen weiterhin zu verfolgen», sagt Katrin Sievert, die Erstautorin der Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift Joule erschienen ist.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand, alle 2 Wochen in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Powtech 26: Druckluftversorgung für Schüttgutförderung
Powtech 26: Druckluftversorgung für Schüttgutförderung

Kaeser Kompressoren zeigt auf der Powtech Technopharm verschiedene Druckluftlösungen für die Schüttgut- und Pulvertechnik. Das Spektrum reicht von einer kompakten Kompressorstation über Schrauben- und Drehkolbengebläse bis zu ölfrei verdichtenden Schraubenkompressoren und einer übergeordneten Steuerung für Druckluft- und Gebläsestationen.

mehr lesen
Deutscher Umweltpreis für energieeffiziente Membrantechnik
Deutscher Umweltpreis für energieeffiziente Membrantechnik

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zeichnet den Ingenieur und Membion-Geschäftsführer Dr. Klaus Vossenkaul mit dem Deutschen Umweltpreis 2026 aus. Gewürdigt wird seine Weiterentwicklung der Membranbioreaktor-Technologie für die Abwasserreinigung, mit der sich insbesondere der Energiebedarf für die Spülung der Membranen reduzieren lässt.

mehr lesen
Elektrifizierte Zementproduktion ermöglicht CO₂-Abscheidung
Elektrifizierte Zementproduktion ermöglicht CO₂-Abscheidung

Forschende der ETH Zürich haben untersucht, wie sich die Zementproduktion mit Direct Air Capture auf Basis von Kalzium-Looping verbinden lässt. Ihren Berechnungen zufolge könnten Elektrifizierung und direkte CO₂-Abscheidung die Klimawirkung der Zementproduktion bis 2050 um 78 Prozent senken. Durch zusätzliche Aufnahme von CO₂ aus der Umgebungsluft könnte der Gesamtprozess sogar eine negative CO₂-Bilanz erreichen.

mehr lesen
Beschichtungslinie ergänzt Produktion von Batterieseparatoren
Beschichtungslinie ergänzt Produktion von Batterieseparatoren

Asahi Kasei hat an seinem Standort in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina eine Beschichtungslinie für Hipore-Nassprozess-Batterieseparatoren eröffnet. Damit schafft das Unternehmen erstmals regionale Beschichtungs- und Lieferkapazitäten für diese Separatortechnologie in Nordamerika.

mehr lesen
Entwässerungssystem für Kunstrasenplätze
Entwässerungssystem für Kunstrasenplätze

Im EU-Forschungsprojekt LIFE T4C (Turf4Circular) werden Lösungen für ein nachhaltiges Regenwassermanagement auf Kunstrasenplätzen entwickelt und unter Praxisbedingungen erprobt. Hauraton bringt dafür ein Entwässerungs- und Filtersystem mit digitaler Zustandsüberwachung in zwei Demonstrationsanlagen in Spanien ein.

mehr lesen

Sie möchten die F&S Filtrieren und Separieren testen?

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die F&S kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03