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Umweltrat fordert: Umwelt und Gesundheit konsequent zusammendenken

Der Zusammenhang zwischen Umwelt und Gesundheit wird in der deutschen Politik und Gesellschaft zu wenig beachtet. Das stellte der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in einem Gutachten fest, das gestern an Bundesumweltministerin Steffi Lemke und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach überreicht wurde.

von | 20.06.23

Umwelt- und Gesundheitsschutz gehören zusammen
Bild von falco auf Pixabay
20.06.2023 | Der Zusammenhang zwischen Umwelt und Gesundheit wird in der deutschen Politik und Gesellschaft zu wenig beachtet. Das stellte der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in einem Gutachten fest, das gestern an Bundesumweltministerin Steffi Lemke und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach überreicht wurde.

Viele Menschen sind von Umweltbelastungen wie Luftschadstoffen und Lärm betroffen und diese Belastungen sind häufig sozial ungleich verteilt. Dazu kommen neue Gesundheitsrisiken, z. B. durch den Klimawandel. Aus Sicht des SRU sind Extremwetterereignisse ebenso wie die COVID-19-Pandemie erneute Weckrufe, die Gesundheitsdimension des Umwelt-, Natur- und Klimaschutzes deutlich ernster zu nehmen. Im Sondergutachten „Umwelt und Gesundheit konsequent zusammendenken“ gibt der SRU Empfehlungen, wie die menschliche Gesundheit bei den anstehenden Transformationen der Verkehrs-, Energie-, Agrar- und Ernährungssysteme stärker berücksichtigt werden kann.

Bekannte Gesundheitsrisiken verringern

  • Feinstaub gehört weiter zu den größten umweltbezogenen Gesundheitsbelastungen. Der Umweltrat hält die europäischen Grenzwerte, die in  in Deutschland eingehalten werden, für nicht ambitioniert genug und empfiehlt eine stärkerer Anpassung die WHO-Empfehlungen. Außerdem seien weitere Maßnahmen nötig, um die Feinstaubbelastung zu verringern, insbesondere beim motorisierten Straßenverkehr.
  • Die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen wird als besorgniserregend eingestuft. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung trage dazu bei und müsse weiter vermindert werden.
  • Die PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind ein Beispiel für die Risiken, die mit der Verwendung von langlebigen und bioakkumulierenden Chemikalien verbunden sind. PFAS werden unter anderem in Verbraucherprodukten wie Textilien und Kosmetika eingesetzt. Für einen vorsorgenden Umgang mit diesen Stoffen sollte eine Regulation der ganzen Stoffgruppe auf den Weg gebracht werden.
  • Die Klimakrise hat auch wesentliche Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen. Ein Beispiel hierfür ist die Zunahme von Hitze. Insbesondere in den Städten müssen die Menschen vor Hitzestress besser geschützt werden.

Natur als Gesundheitsressource schützen

Ökosysteme sichern nicht nur die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen materiellen Gütern. Sie können zudem das körperliche, mentale und soziale Wohlbefinden über Naturerlebnisse fördern.

Leitbild Ökosalute Politik

Der SRU hat das Leitbild Ökosalute Politik formuliert, das verschiedene Grundsätze umfasst: Umweltschutz als Voraussetzung für Gesundheit und Freiheit, Schutz der lokalen und der planetaren Umwelt, Umwelt als Risiko und Chance für die Gesundheit, Erhalt der Natur als Gesundheitsressource sowie gesundheitsbezogene Umweltpolitik für alle und mit allen.

Umweltgerechtere und gesündere Städte

Die meisten Menschen in Deutschland leben in Städten. Gerade in Großstädten verdichten sich Umweltprobleme wie Hitze, Lärm und Luftschadstoffe in der Außenluft und es fehlt oft an wohnortnahen gesundheitsfördernden Ressourcen wie Grünräumen und Gewässern. Außerdem sind die Umweltbelastungen und -ressourcen häufig sozialräumlich ungleich verteilt. Um lebenswerte Städte zu gestalten, ist es wichtig, bestehende Belastungen zu mindern, Erholungsräume zu sichern und die Umweltgerechtigkeit zu stärken. Auch für die Klimaanpassung ist es von Bedeutung, Grünräume zu erhalten und auszubauen. Die zentrale Rolle von Kommunen bei der Klimaanpassung erfordert weitere Unterstützung vom Bund.

Nachhaltiges Chemikalienmanagement anstreben

Einträge umwelt- und gesundheitsgefährdender Chemikalien spielen eine zentrale Rolle für die Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden. Der europäische Aktionsplan „Schadstofffreiheit von Luft, Wasser und Boden“ und die europäische Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit haben aus Sicht des SRU wichtige Impulse zur Entwicklung eines nachhaltigen Chemikalienmanagements gesetzt. Die Bundesregierung sollte die geplante Überarbeitung der europäischen Chemikalienverordnung REACH unterstützen und auf eine zügige Umsetzung drängen.

Integrative Ansätze sind gefragt

Gesundheitsbezogener Umweltschutz erfordert integrative Ansätze, die unterschiedliche Disziplinen, Politikfelder sowie Ressortgrenzen überbrücken. Der SRU empfiehlt, bekannte Erfolgsbedingungen für die Integration unterschiedlicher Disziplinen und Ressorts zu fördern. Dazu gehöre zum Beispiel ein klares Commitment durch politische Entscheidungsträger:innen. Um der Zivilgesellschaft mehr Möglichkeiten zu geben, sich für den vorsorgenden Gesundheitsschutz einzusetzen, sollten Gesundheitsverbände mit umweltrechtlichen Verbandsklagerechten ausgestattet werden. Das im Jahr 2021 aktualisierte Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit kann aus Sicht des SRU ebenfalls einen wichtigen Beitrag leisten, wenn es mit mehr personellen und finanziellen Ressourcen ausgestattet wird.

zum Sondergutachten

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