Generic filters
FS Logoi

CO2-Senken: Küsten als „Klimaschützer“

Die Küstenökosysteme in acht von zehn Weltregionen sind eine Netto-Treibhausgas-Senke. Das heißt: In diesen Regionen ist die Aufnahme von Kohlendioxid ( CO2 ) stärker als die Emissionen von Methan und Distickstoffmonoxid (Lachgas). Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung der australischen Southern Cross University mit Beteiligung des Helmholtz-Zentrums Hereon, des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) und des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel. Die Studie wurde jüngst in Nature Climate Change veröffentlicht.

von | 06.06.23

Salzsumpf auf Assateague Island in den Vereinigten Staaten.
Foto: Sara Cottle via Unsplash
CO2-Senken: Küsten als „Klimaschützer"
06.06.2023 Ι Die Küstenökosysteme in acht von zehn Weltregionen sind Netto-Treibhausgas-Senken. Das heißt: In diesen Regionen ist die Aufnahme von Kohlendioxid (CO2) stärker als die Emissionen von Methan und Distickstoffmonoxid (Lachgas).

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung der australischen Southern Cross University mit Beteiligung des Helmholtz-Zentrums Hereon, des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) und des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel. Die Studie wurde jüngst in Nature Climate Change veröffentlicht.

Immense Vielfalt an Treibhausgas-Senken

Treibhausgase bewirken eine Erwärmung des Weltklimas. Doch von tropischen Lagunen bis zu polaren Fjorden, von Mangrovenwäldern in der Gezeitenzone bis zu Seegraswiesen unter Wasser weisen viele Küsten weltweit eine immense Vielfalt an Treibhausgas-Senken und -Quellen auf. Diese wurden bisher nur unzureichend quantifiziert. Aus unterschiedlichen Studien an 738 Standorten, die über einen Zeitraum von 1975 bis 2020 publiziert wurden, haben die Forschenden einen Datensatz zusammengestellt und verglichen. Spezielle Merkmale wie Klima und Hydrologie sowie das Vorkommen von Pflanzen bestimmen, ob eine Küstenregion Treibhausgase aufnimmt oder abgibt.

Ökosysteme sind der Schlüssel zu CO2-Senken

„Zu verstehen, wie und wo Treibhausgase in Küstenökosystemen freigesetzt und absorbiert werden, ist ein wichtiger erster Schritt zur Umsetzung wirksamer Klimaschutzstrategien“, sagt die Erstautorin und Leiterin der Studie Dr. Judith Rosentreter, Senior Research Fellow an der Southern Cross University in Australien.

Der Schutz und die Wiederherstellung von Mangroven- und Salzwiesen-Lebensräumen sei beispielsweise eine vielversprechende Strategie, um die Aufnahme von CO2 durch diese küstennahen Feuchtgebiete zu erhöhen. Andere Maßnahmen zur Eindämmung des menschlichen Einflusses auf die Emissionen, wie die Verringerung des Eintrags von Nährstoffen, organischen Stoffen und Abwässern in die Küstengewässer, könnten die Bilanz von Treibhausgasen weiter verbessern.

Südostasiens Küsten liegen vorn

Die Forschenden fanden heraus, dass die stärkste Treibhausgas-Senke in Südostasien zu finden ist. Grund hierfür sind die ausgedehnten und produktiven tropischen Küstenfeuchtgebiete mit ihrer Vielfalt an Pflanzen. Ein zweiter Hotspot für Senken ist Nordamerika mit seinen großen Feuchtgebieten an der Küste, aber auch mit CO2-aufnehmenden Fjorden.

„Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass Fjorde auf der ganzen Welt bis zu 40 Prozent des CO2 aufnehmen, das sonst aus Gezeitensystemen, Deltas und Lagunen freigesetzt würde. Der Großteil, nämlich 86 Prozent dieser wichtigen CO2-Aufnahme durch Fjorde, stammt aus der nordamerikanischen Region, vor allem aus Grönland“, sagt Dr. Bryce Van Dam vom Institut für Kohlenstoffkreisläufe am Helmholtz-Zentrum Hereon.

„Kleine Inseln haben in der Summe lange Küsten, weshalb sie eine überdimensionale Wirkung auf Treibhausgasbilanzen der Küsten haben können“, ergänzt Nils Moosdorf, Hydrogeologe am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) und Professor für Hydrogeologie in Küstengebieten an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Europa und Russlands Küsten setzen Treibhausgase frei

Es wurde jedoch auch festgestellt, dass bestimmte Regionen oder Küstenlebensräume schwache Quellen von Treibhausgasen sein können. So sind beispielsweise die europäischen und russischen Küstenregionen „Nettoquellen“, die Treibhausgase abgeben. Diese Regionen haben viele Gezeitenmündungen, die Treibhausgase freisetzen; ein kälteres Klima bedeutet aber auch, dass sie weniger tropische Küstenfeuchtgebiete haben, die große Mengen an CO2 aufnehmen könnten.

„Wir zeigen, wenn wir alle drei Treibhausgase berücksichtigen, dass acht der zehn von uns untersuchten Weltregionen eine Netto-Treibhausgassenke für die Küsten sind“, sagt Rosentreter. „Die Studie zeigt eindrücklich, dass neben CO2 auch andere Treibhausgase mitberücksichtigt werden müssen, um eine realistischen Abschätzung der klima-relevanten Strahlungsbilanz zu erhalten,“ ergänzt Prof. Hermann Bange, Meeres-Biogeochemiker am GEOMAR und Ko-Autor der Studie.

Hintergrund der Studie

Für diese Studie wertete das internationale Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Messungen aus Küstenregionen von allen Kontinenten bis auf die Polarregionen aus. „Diese Studie ist Teil des RECCAP2-Projekts, das sich durch große und vielfältige Zusammenarbeit auszeichnet“, sagt Hereon-Küstenforscher Bryce Van Dam. RECCAP2 (Regional Carbon Cycle Assessment and Processes, Phase 2) wird vom Global Carbon Project koordiniert und sammelt regionale Treibhausgas-Daten für 14 große Regionen der Erde, um diese vergleichbar zu machen.

Zur Originalpublikation

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand, alle 2 Wochen in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

PFAS-Belastung bei Wildschweinen nachgewiesen
PFAS-Belastung bei Wildschweinen nachgewiesen

Eine Auswertung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt eine weitverbreitete PFAS-Belastung bei Wildschweinen. Sämtliche 114 untersuchten Proben überschritten die gesetzlichen Höchstgehalte. Auch in Wildschweinfleisch wurden teilweise erhöhte Konzentrationen festgestellt.

mehr lesen
Exportwachstum bei Verfahrenstechnik und Lufttechnik
Exportwachstum bei Verfahrenstechnik und Lufttechnik

Die deutschen Exporte von Verfahrenstechnik und Allgemeiner Lufttechnik sind im ersten Halbjahr 2026 gestiegen. Der VDMA verzeichnet jedoch deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Ländern und Regionen. Während die Verfahrenstechnik insbesondere in China zulegte, kamen bei der Allgemeinen Lufttechnik Wachstumsimpulse vor allem aus europäischen Märkten.

mehr lesen
Katalysator für die elektrochemische CO₂-Verwertung
Katalysator für die elektrochemische CO₂-Verwertung

Forschende des Helmholtz-Zentrums Berlin (HZB) und internationale Partner haben untersucht, wie sich die elektrochemische Umwandlung von CO₂ zu Kohlenmonoxid effizienter gestalten lässt. Im GreenQUEST-Projekt optimierten sie dafür Katalysatorschichten aus Silbernanopartikeln und veränderten zusätzlich die Reaktion an der Anode.

mehr lesen
Wasseraufbereitungsspezialist erweitert Vorstand
Wasseraufbereitungsspezialist erweitert Vorstand

Die Grünbeck AG erweitert zum 1. Januar 2027 ihren Vorstand von einem auf drei Mitglieder. Mit Sandra Stricker und Harald Wiedenmann rücken zwei langjährige Führungskräfte aus dem Unternehmen in das Gremium auf. Dr. Günter Stoll übernimmt den Vorstandsvorsitz.

mehr lesen
Arzneimittelrückstände mit Ozon entfernen
Arzneimittelrückstände mit Ozon entfernen

Im Forschungsprojekt OZON-EFF entwickelt Prof. Dr. Verena Fath einen Rieselfilmreaktor zur Ozonbehandlung kommunaler Abwässer. Durch einen verbesserten Kontakt zwischen Ozon und Wasser soll die Entfernung von Arzneimittelrückständen und anderen organischen Spurenstoffen mit geringerem Energie- und Ressourcenverbrauch möglich werden.

mehr lesen

Sie möchten die F&S Filtrieren und Separieren testen?

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die F&S kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03