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Aerosolobservatorium in Wien: Es liegt was in der Luft

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Autor: Isabell Hochstrat

Die Universität Wien beteiligt sich mit dem Aerosolobservatorium auch am ACTRIS-Projekt (Aerosol, Clouds and Trace Gases Research Infrastructure).
Bildquelle: APA/Uni Wien
Aerosolobservatorium Wien
26.02.2024 Ι Ein neues Kapitel schlägt die Uni Wien dieser Tage mit dessen ausgebautem, erweitertem Aerosolobservatorium auf. Der Start des Observatoriums beginnt mit einem internationalen Symposium und einer Tagung.

Seit 60 Jahren werden am Dach des altehrwürdigen Physik-Gebäudes der Uni Wien in Wien-Alsergrund Aerosole über der Stadt gemessen. Der Standort auf 35 Metern Höhe über den Dächern der Wiener Gründerzeithäuser sei zum Messen und Weiterentwickeln der Technik ideal. Man befinde sich etwas abseits der großen Straßenzüge, trotzdem in Innenstadt-Lage und so hoch oben, dass sich der Ausstoß des urbanen Lebens schon so vermischt, dass er als weitestgehend repräsentativ angesehen werden könne, erklärte Bernadett Weinzierl, Leiterin der Forschungsgruppe Aerosolphysik und Umweltphysik an der Universität Wien.

„Hot Topic“: Mikroplastik messen

Mehr über Aerosole zu wissen, trägt wesentlich zum besseren Verständnis des Klimas sowie zu diversen gesundheitlichen Fragestellungen bei. Nun werden diese Partikel rund um die Uhr im Bereich zwischen vier Nano- und mindestens zehn Mikrometern gemessen. Für einzelne Kampagnen kann der Messbereich aber bis 300 Mikrometer erweitert werden, erklärte Weinzierl. Viel an Technik neu- und weiterzuentwickeln gebe es im Bereich der Mikroplastik-Forschung – einem „Hot Topic“: Bisher werden in diesem Forschungsbereich hauptsächlich Proben über längere Zeiträume aus der Luft gesammelt und anschließend analysiert. Weinzierl:

“Unser Fortschritt ist, dass wir in Zukunft hier an der Universität Wien wirklich kontinuierlich und auch kleinere Mikroplastikpartikel messen können.”

Alleine aus Form und Größe lasse sich vieles herauslesen. Die Wiener Forscher sammeln aber auch Informationen über die chemische Zusammensetzung. Dabei helfen hier entwickelte Auswertealgorithmen.

Was man so alles detektiert, zeigt eines der neuen Messgeräte in Echtzeit auch grafisch bzw. in diesem Fall sogar holografisch. Beim Besuch im Labor schüttelte etwa die Physikerin Lisa-Maria Wieland einen Pullover aus Polyamid vor den Messgeräten aus, was plötzlich vor allem faserige Strukturen auf dem Display aufleuchten und die Kurve der detektierten Schwebestoffe aus der Umgebungsluft steil nach oben schnellen ließ.

Aerosolobservatorium macht Forschungsprojekte möglich

Die Infrastruktur- und Methoden-Weiterentwicklung treibt man in den kommenden Jahren u.a. im Rahmen des mit 2,25 Mio. Euro von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützten „AeroCloud-AT”-Projektes mit der Geosphere Austria und der Technischen Universität Wien auch am Sonnblick Observatorium oder mit den rund 400.000 Euro voran, die der kürzlich von der Weiss Wissenschaftsstiftung und vom Wissenschaftsfonds FWF an Weinzierl vergebene „Weiss-Preis” eingebracht hat.

„Dass Plastikpartikel in der Atmosphäre sind, ist klar. Wie viele es tatsächlich sind, weiß aber niemand”, betonte Weinzierl.

Daher möchte man in den nächsten Jahren deren Anteil in der Wiener Luft bzw. in Abgleich mit den Sonnblick-Daten für ganz Österreich verlässlich abschätzen können, um zu sehen, wie groß das Problem wirklich ist. Aus den Verteilungen wird man dann auch besser auf die Quellen rückschließen können.

Die Universität Wien wird mit der neuen Infrastruktur auch Teil des ACTRIS-Netzwerkes (Aerosol, Clouds and Trace Gases Research Infrastructure), einem europaweiten Verbund zur Messung von Aerosolen, Spurengasen und Wolkenpartikeln, wie Weinzierl erklärte. Für das Aerosolobservatorium habe die Universität durchaus tief in die Tasche gegriffen. Das Wiener Observatorium ist in dem mehr als 110 Messstationen umfassenden ACTRIS-Netzwerk eines der wenigen im innerstädtischen Bereich. Somit sind die hier gewonnenen Werte besonders interessant. Einer von Weinzierls Schwerpunkten liegt aber auch darauf, Informationen aus stationären Messungen mit solchen zusammenzubringen, die sie auf Kooperationsprojekten mit der NASA auf Spezialflugzeugen in bis zu 22 Kilometern Höhe sammelt. So können Modelle zum Transport und zur Konzentration von verschiedenen Partikeln über die Erde hinweg in verschiedenen Höhenlagen verbessert werden. Das ist zum Beispiel auch für Berechnungen zum Klimawandel entscheidend.

Zum Bereich Aerosol- und Umweltphysik an der Uni Wien

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