Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) verleiht den Deutschen Umweltpreis 2026 unter anderem an Dr. Klaus Vossenkaul, Gründer und Geschäftsführer des Membrantechnik-Unternehmens Membion.
„Mit Beharrlichkeit und Erfindergeist ist er Wegbereiter einer Technologie, die bereits heute die Standards von morgen erfüllt – für eine neue Ära der Abwasserreinigung in Kläranlagen“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.
Im Mittelpunkt der Auszeichnung steht seine Arbeit an Membranbioreaktoren (MBR), die biologische Abwasserreinigung und Membranfiltration miteinander verbinden. Vossenkaul teilt sich den mit insgesamt 500.000 Euro dotierten Preis mit der Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen. Die Verleihung findet am 25. Oktober in Aachen statt.
Membranmodule ersetzen konventionelle Absetzbecken
Bei der MBR-Technologie übernehmen Bakterien zunächst die biologische Reinigung des Abwassers. Anschließend wird das gereinigte Wasser durch in den Klärschlamm eingetauchte Membranmodule abgesaugt. Konventionelle Rundbecken, in denen sich Schlamm und Wasser durch Sedimentation trennen, sind dadurch nicht erforderlich. Das aufbereitete Wasser kann beispielsweise für die landwirtschaftliche Bewässerung eingesetzt werden.
Membion setzt dafür Hohlfasermembranen ein. Die etwa 1,60 Meter langen Röhrchen bestehen aus vier Kunststoffen und besitzen Poren, die unter anderem Mikroplastik, Krankheitserreger und multiresistente Keime zurückhalten. In Kombination mit Aktivkohle können zudem Arznei- und Kosmetikrückstände entfernt werden.
Luftpulse reinigen die Membranen
Ein wesentlicher Ansatzpunkt bei der Weiterentwicklung der MBR-Technologie ist der Energiebedarf für die Membranreinigung. Um Ablagerungen von Schlamm an den Membranen zu verhindern, müssen diese regelmäßig gespült werden. Der dafür erforderliche Energieaufwand hatte den Einsatz der Technologie bislang erschwert.
Bei der von Vossenkaul entwickelten Technik sind die Hohlfasermembranen in Fußelementen befestigt und bewegen sich frei im umgebenden Schlamm. Unterhalb der Fußelemente sitzen sogenannte Geysir-Elemente, die kurze Luftpulse erzeugen. Diese bewegen den Schlamm nach oben und sollen dadurch die Membranporen sauber halten. Das Verfahren bezeichnet Membion als „JetSplash“.
Pilotanlage senkt Energie- und Platzbedarf
In einer Pilot-Kläranlage im Eifeldorf Konzen bei Monschau wird die Membion-Technologie seit fast fünf Jahren parallel zu herkömmlichen Plattenmodul-Membranfiltern eingesetzt. Dort wurde laut DBU der Energieverbrauch für die Membranspülung um mehr als 90 Prozent reduziert; zugleich sank der Platzbedarf um 75 Prozent.
Die Technik wird inzwischen auch zur Behandlung industrieller Abwässer eingesetzt und soll außerdem in der Membrankläranlage Wolfsburg-Stahlberg zum Einsatz kommen. Dort sind 3000 Fußelemente mit jeweils mehr als 1600 Hohlfasermembranen vorgesehen.







