Generic filters
FS Logoi

Schiffstreibstoff aus Abwasser: Anlage in Mannheim eröffnet

Die Schifffahrt sucht nach klimafreundlichen Treibstoffen. Eine neue Anlage in Mannheim zeigt, wie aus Abwasser Methanol als alternativer Schiffstreibstoff entstehen kann.

von | 27.03.25

ICODOS, das am KIT gegründete Start-up, soll vollintegrierte, vollautomatische und dynamisch betriebene E-Methanol-Anlagen entwickeln.
Quelle: KIT
Schiffstreibstoff

Mit rund 80.000 Kläranlagen in Europa gibt es ein ungenutztes Potenzial für die Produktion klimaneutraler Treibstoffe. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und das Start-up ICODOS haben aus diesem Grund gemeinsam mit der Stadtentwässerung Mannheim eine Anlage entwickelt, die Biogas aus Abwasser in Methanol umwandeln soll. Die Demonstrationsanlage „Mannheim 001“ ging am 24. März 2025 in Betrieb. Der derzeitige Bundesminister für Digitales und Verkehr, Dr. Volker Wissing, drückte den Startknopf.

Methanol als alternativer Schiffstreibstoff

Nach Schätzungen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation ist die Schifffahrt für rund drei Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Um umweltfreundliche Alternativen zu fossilen Kraftstoffen zu finden, setzt das Konsortium auf Methanol. Beteiligt sind das Institut für Mikroverfahrenstechnik, das Institut für Automation und Angewandte Informatik des KIT, das Start-up ICODOS sowie die Stadtentwässerung Mannheim.

„Hier wird aus Biogas, das bei der Abwasserbehandlung anfällt, ein Wertstoff gewonnen – ein innovativer Ansatz, der zeigt, wie vorhandene Ressourcen intelligent und klimafreundlich genutzt werden können“, so Professor Thomas Hirth, Vizepräsident Transfer und Internationales des KIT.

„Mannheim 001“ als Vorbild für weitere Standorte

„Das Leuchtturmprojekt ‚Mannheim 001‘ ist ein weiterer Beweis, dass mit neuen Technologien Klimaschutz und industrielles Wachstum Hand in Hand gehen können“, erklärte der ebenfalls anwesende Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht. „Hier zeigt ein Start-up-Unternehmen aus unserem Technologie- und Gründungszentrum Mafinex mit Unterstützung aus dem Klimafonds der Stadt Mannheim und in enger Kooperation mit der Stadtentwässerung, wie aus Abwasser grüner Kraftstoff für die Schifffahrt hergestellt werden kann. Das ist eine weitere Innovation ‚Made in Mannheim‘, auf die wir stolz sein können.“

Die Demonstrationsanlage „Mannheim 001“ nutzt ein patentiertes Verfahren, um Biogas aus Abwasser in klimaneutrales Methanol umzuwandeln. Zunächst wird das in der Kläranlage entstehende Biogas gereinigt. Anschließend reagiert das darin enthaltene CO₂ mit regenerativ erzeugtem Wasserstoff zu Methanol – einem vielseitig verwendbaren Rohstoff, der als Schiffstreibstoff oder in der chemischen Industrie eingesetzt werden kann. Diese Technologie kann bald auch in anderen Kläranlagen zum Einsatz kommen.

Dr. Vidal Vazquez, Mitbegründer von ICODOS, sieht darin ein Potenzial:

„Allein in Deutschland könnten Kläranlagen jährlich mehrere Millionen Tonnen nachhaltiges Methanol produzieren.“

Zukunftsperspektiven für klimaneutrale Mobilität

„Um unsere Klimaschutzziele zu erreichen, müssen wir uns alle technologischen Optionen offenhalten. Neben der Elektrifizierung und wasserstoffbasierten Antrieben brauchen wir klimafreundliche Kraftstoffe, insbesondere in der maritimen Schifffahrt. Deutschland sollte bei der Erforschung und Entwicklung eine Vorreiterrolle einnehmen. Darin liegt ein Wachstumsmarkt der Zukunft“, so Wissing. „Es geht auch darum, unser Land unabhängig von Energieimporten zu machen. ‚Mannheim 001‘ zeigt, wie Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz Hand in Hand gehen können. Dieses Projekt kann beispielgebend für viele weitere Standorte in Deutschland und Europa sein.“

Mit „Mannheim 001“ konnte ein erster Schritt eingeleitet werden, um Kläranlagen als Energiequelle zu nutzen und einen Beitrag zur klimaneutralen Mobilität zu leisten. Weitere Standorte sollen folgen.

 

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand, alle 2 Wochen in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

PFAS-Belastung bei Wildschweinen nachgewiesen
PFAS-Belastung bei Wildschweinen nachgewiesen

Eine Auswertung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt eine weitverbreitete PFAS-Belastung bei Wildschweinen. Sämtliche 114 untersuchten Proben überschritten die gesetzlichen Höchstgehalte. Auch in Wildschweinfleisch wurden teilweise erhöhte Konzentrationen festgestellt.

mehr lesen
Exportwachstum bei Verfahrenstechnik und Lufttechnik
Exportwachstum bei Verfahrenstechnik und Lufttechnik

Die deutschen Exporte von Verfahrenstechnik und Allgemeiner Lufttechnik sind im ersten Halbjahr 2026 gestiegen. Der VDMA verzeichnet jedoch deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Ländern und Regionen. Während die Verfahrenstechnik insbesondere in China zulegte, kamen bei der Allgemeinen Lufttechnik Wachstumsimpulse vor allem aus europäischen Märkten.

mehr lesen
Katalysator für die elektrochemische CO₂-Verwertung
Katalysator für die elektrochemische CO₂-Verwertung

Forschende des Helmholtz-Zentrums Berlin (HZB) und internationale Partner haben untersucht, wie sich die elektrochemische Umwandlung von CO₂ zu Kohlenmonoxid effizienter gestalten lässt. Im GreenQUEST-Projekt optimierten sie dafür Katalysatorschichten aus Silbernanopartikeln und veränderten zusätzlich die Reaktion an der Anode.

mehr lesen
Wasseraufbereitungsspezialist erweitert Vorstand
Wasseraufbereitungsspezialist erweitert Vorstand

Die Grünbeck AG erweitert zum 1. Januar 2027 ihren Vorstand von einem auf drei Mitglieder. Mit Sandra Stricker und Harald Wiedenmann rücken zwei langjährige Führungskräfte aus dem Unternehmen in das Gremium auf. Dr. Günter Stoll übernimmt den Vorstandsvorsitz.

mehr lesen
Arzneimittelrückstände mit Ozon entfernen
Arzneimittelrückstände mit Ozon entfernen

Im Forschungsprojekt OZON-EFF entwickelt Prof. Dr. Verena Fath einen Rieselfilmreaktor zur Ozonbehandlung kommunaler Abwässer. Durch einen verbesserten Kontakt zwischen Ozon und Wasser soll die Entfernung von Arzneimittelrückständen und anderen organischen Spurenstoffen mit geringerem Energie- und Ressourcenverbrauch möglich werden.

mehr lesen

Sie möchten die F&S Filtrieren und Separieren testen?

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die F&S kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03