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Seltene Rohstoffe: Nachhaltige Lieferketten schaffen

Mit dem EU-Projekt REEsilience entsteht Europas erste durchgängig digitalisierte und automatisierte Lieferkette für Seltene Erden.

von | 19.12.25

Prof. Dr. Carlo Burkhardt bei der Vorstellung des Projekts während der RawMaterialsWeek in Brüssel.
Quelle: Carlo Burkhardt / privat
Seltene Rohstoffe: Nachhaltige Lieferketten schaffen

Mit dem zuletzt preisgekrönten EU-Projekt REEsilience entsteht Europas erste durchgängig digitalisierte und automatisierte Lieferkette für Seltene Erden. Das von der Hochschule Pforzheim koordinierte Konsortium entwickelt Recyclingprozesse, ein Mapping globaler Vorkommen Seltener Erden, automatisierte Zerlegeverfahren und High-Performance-Magnete aus Sekundärmaterial. Das Projekt soll damit Europas Abhängigkeiten von kritischen Rohstoffen deutlich reduzieren.

Zu Gast in China

Am 8. Dezember war Außenminister Wadephul zu Gast in China, um unter anderem über Seltenen Erden zu sprechen – ein Rohstoff, dessen Ausfuhr China zuletzt deutlich eingeschränkt hatte. Branchen wie E-Mobilität und erneuerbare Energien sind dringend auf robuste und nachhaltige Lieferketten angewiesen. Besonders kritisch sind dabei Seltene Erden. Diese sind für starke Permanentmagnete in Elektromotoren, Generatoren, Windturbinen und verschiedenen Hightech-Anwendungen nötig. Aktuell stammen über 99 Prozent der Rohstoffe aus dem außereuropäischen Ausland, vor allem aus China.

Die EU hat sich mit dem Critical Raw Materials Act klare Ziele gesteckt: Bis zum Jahr 2030 sollen zehn Prozent der kritischen Rohstoffe innerhalb der EU gewonnen und 25 Prozent dort recycelt werden. Die derzeitige Recyclingquote der Seltenen Erden liegt bei unter einem Prozent. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Importen nach Europa künftig zu verringern und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Widerstandsfähige Lieferketten für Seltene Erden

Genau dort setzt das EU-Projekt „REEsilience“ an. Ziel ist es, digitale, ressourceneffiziente und widerstandsfähige Lieferketten für Seltene Erden aufzubauen. Der Fokus liegt dabei auf Recycling, Kreislaufwirtschaft und der nachhaltigen Herstellung von Permanentmagneten. Das Projekt hat für den Anfang der Prozesskette („upstream“) ein Mapping aller nicht-chinesischen Seltenerdvorkommen und deren Umsetzungsstatus erstellt. Zudem wurde eine umfangreiche Datenbank aufgebaut, die magnethaltige Schrotte nach Relevanz für ein industrielles Recycling klassifiziert. Diese Datenbank ist gleichzeitig auch eine wichtige Quelle für automatisierte Zerlegungsverfahren magnethaltiger Komponenten, die im Projekt entwickelt wurden. Auch ein detaillierter „Design-für-Recycling-Guide“ wurde implementiert, der zeigt, wie Produkte so gebaut werden können, dass ihre Rohstoffe später besser recycelt werden können. Diese Informationen sind zentraler Bestandteil einer neuen europäischen technischen Spezifikation für die Kennzeichnung magnethaltiger Produkte.

„Nach der erfolgreichen Produktion von High-Performance-Magneten aus Recyclingmaterial sind wir auf der Downstream-Seite mittendrin, zwei automatisierte Recycling- und Produktionsanlagen für Permanentmagnete aufzubauen, die jeweils 100 Tonnen Magnetmaterial pro Jahr verarbeiten können. Sie werden die ersten ihrer Art in Europa sein. Das zugehörige Blockchain-System für vollständige Rückverfolgbarkeit und ein Legierungsrechner, der alle ESG-Kriterien, also Ethics, Sustainability und Governance, abbildet, sind weltweit einzigartig“, erläutert Prof. Dr. Carlo Burkhardt, Koordinator des REEsilience-Projekts.

Beteiligung der Hochschule Pforzheim

Das Institut für strategische Technologie und Edelmetalle (STI) der Hochschule Pforzheim hat in dem Projekt, das 2022 ins Leben gerufen wurde, gleich mehrere Funktionen: Die Koordination des Gesamtprojekts mit allen 18 Partnern, aber auch technische Projektmanagement-Aufgaben, wie beispielsweise die Entwicklung von Prozessen zur Herstellung der Recyclingmagnete, das „Design for Recycling“, den Produktionsaufbau, die Erstellung von Businessmodellen und die Projektkommunikation. Für seine Erfolge wurde „REEsilience” im November 2025 von der EU als „European Success Story“ ausgezeichnet. Es reiht sich damit in frühere preisgekrönte Projekte der Hochschule Pforzheim ein, zum Beispiel REProMag und SUSMAGPRO, die sich ebenfalls mit nachhaltiger Magnetproduktion und Recycling beschäftigen.

„Aus REEsilience haben sich bereits einige Nachfolgeprojekte ergeben, in denen wir aktiv sind. So zum Beispiel das Horizon-Projekt GREENE, das sich mit der Weiterentwicklung von Magnetlegierungen beschäftigt oder das BMWE-Projekt REDriveS, das die Zerlegung und Verwertung der kompletten Antriebsachse von Elektrofahrzeugen zum Thema hat“, sagt Prof. Dr. Burkhardt abschließend.

Über REEsilience

Das EU-Projekt „REEsilience“ wird vom Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizon Europe“ der Europäischen Union finanziert und vom Institut für strategische Technologie und Edelmetalle der Hochschule Pforzheim koordiniert. Es läuft bis Juni 2026. Das Konsortium umfasst 16 Projektpartner und zwei assoziierte Partner aus zehn europäischen Ländern (Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Niederlande, Polen, Slowenien, Spanien, Schweden und Vereinigtes Königreich), die neben Entwicklung fortschrittlicher Softwaretools und automatisierter Produktionsanlagen die Materialzusammensetzung optimieren, um die Verwendung von Sekundärrohstoffen zu maximieren und die Umweltbelastung zu reduzieren.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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