Im Rahmen der K-Messe 2025 in Düsseldorf präsentiert das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV ein Verfahren zur Rückgewinnung von Kunststoffen aus komplexen Gemischen. Die Recyclingmethode basiert auf einem lösungsmittelbasierten Prozess, bei dem Zielpolymere selektiv gelöst und in hoher Reinheit zurückgewonnen werden, während Störstoffe, Fremdpolymere und gelöste Kontaminanten abgetrennt werden.
Das Verfahren wird als physikalische Alternative zum chemischen Recycling beschrieben. Dabei bleibt die Polymerstruktur erhalten und es ist keine erneute Polymerisation notwendig. Laut IVV kann die Methode für Verpackungen, aber auch für Anwendungen in der Automobil-, Bau-, Textil- und Elektronikbranche eingesetzt werden.
Rezyklate für anspruchsvolle Anwendungen
Laut Institut ermöglicht das Verfahren eine Reinigungseffizienz von 99,8 % bei bestimmten Kontaminationen. Erste technische Umsetzungen zeigen potenzielle Einsatzmöglichkeiten der Rezyklate in Verpackungen: Unter anderem sind bis zu 30 % Rezyklatanteil in Lebensmittelverpackungen oder bis zu 62 % im Personal- und Healthcare-Verpackungssektor möglich.
Auch für Kunststoffe aus Altfahrzeugen oder Elektroaltgeräten, beispielsweise PC/ABS, wurde das Verfahren erprobt. In Kombination mit mechanischen Verfahren und laserspektroskopischer Sortierung kann laut IVV ein hochreines Rezyklat erzeugt werden, das für eine Wiederverwendung im Fahrzeuginnenraum geeignet sei.
„Wir versetzen damit Automobilhersteller in die Lage, die Vorgaben der europäischen Fahrzeugrichtlinie leichter zu erfüllen. Bis 2030 sollen demnach 25 % des Kunststoffgewichts in neuen Fahrzeugen aus PCR-Kunststoffen bestehen, ein Viertel davon aus Altfahrzeugen“, so Dr. Andreas Mäurer, Leiter für Verfahrensentwicklung Polymer-Recycling am Fraunhofer IVV.
Recyclingpotenzial für Altfahrzeuge und technische Kunststoffe
„Die wertvollen Kunststoffressourcen holen wir mit unserem lösemittelbasierten Recyclingverfahren auch aus Verbundwerkstoffen oder mit Schadstoff belasteten Materialien zurück, sodass sie dem Kreislauf wieder zugeführt werden können. Kunststoffe aus Elektroaltgeräten, die heute noch nicht recycelt werden können, da der Plastikanteil im Elektronikschrott viele verschiedene Kunststofftypen und zusätzlich gefährliche Stoffe wie z. B. Flammschutzmittel enthält, gewinnen wir schadstofffrei mit unserem Verfahren zurück“, erklärte Dr. Andreas Mäurer.
Auch aus Bauabfällen stammendes geschäumtes Polystyrol, das mit dem Flammschutzmittel HBCD kontaminiert ist, kann laut IVV als flammschutzfreies Polystyrolrezyklat aufbereitet werden.
„Durch die effektive Auflösung der Zielpolymere und die anschließende Trennung der ungelösten und mitgelösten Komponenten ist dies möglich. Auf Kunststoffverbunde passen wir den Recyclingprozess zusätzlich spezifisch an. Damit können wir Batteriegehäuse aus Fahrzeugen genauso wie beschichtete und lackierte Textil- und Kunststoffmaterialien recyceln.“
Matrixkunststoffe lassen sich zudem auch von Verbundkomponenten wie Kohlefasern, Glasfasern oder Metalleinsätzen trennen.
„Auch PVC-Bodenbeläge recyceln wir und trennen die unerwünschten Weichmacher effektiv ab. Das zurückgewonnene PVC-Material entspricht den Anforderungen der EU-Gesetzgebung (REACH) und kann für die Produktion von neuen PVC-Böden verwendet werden“, erklärte Mäurer weiter.
Vortrag zur Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft
Am 11. Oktober 2025 hält Prof. Dr. Andrea Büttner, Leiterin des Fraunhofer IVV und Board of Management Member des Fraunhofer CCPE, um 13:45 Uhr einen Vortrag im Rahmen der K-Sonderschau „Plastics Shape the Future“ über das Thema „Digitalization, modeling and AI: How much of it is needed in the material world?“ (Halle 6/C40).







