Die OTH Regensburg beteiligt sich gemeinsam mit der Linde GmbH und der TU München an einem Forschungsprojekt zur Reduzierung von CO₂-Emissionen in der Zementindustrie. Das Projekt DECIDE startete Anfang 2026 und ist auf drei Jahre ausgelegt.
Zementproduktion als CO₂-intensive Industrie
Die Herstellung von Zement ist mit hohen CO₂-Emissionen verbunden. Ein wesentlicher Anteil entsteht direkt im Prozess, wenn Kalkstein bei hohen Temperaturen gebrannt wird und dabei chemisch gebundenes CO₂ freisetzt. Um Emissionen zu reduzieren, werden Verfahren benötigt, die das entstehende CO₂ aus den Abgasen abtrennen und anschließend weiterverwenden oder speichern.
Untersuchung verschiedener Abscheideverfahren
Im Projekt DECIDE werden mehrere Verfahren zur CO₂-Abtrennung untersucht, darunter Absorption, Adsorption und OxyFuel-Prozesse. Ziel ist es, CO₂ so aufzubereiten, dass es entweder stofflich genutzt (CCU) oder dauerhaft gespeichert (CCS) werden kann.
Adsorption unter realen Bedingungen
Ein Schwerpunkt der Arbeiten in Regensburg ist die adsorptive CO₂-Abscheidung. Dabei wird Kohlendioxid an der Oberfläche spezieller Materialien, sogenannter Adsorbentien, gebunden.
Eine Herausforderung stellen die im Rauchgas enthaltenen Begleitstoffe dar, etwa Schwefel- und Stickoxide, Schwermetalle oder organische Verbindungen. Deren Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und Stabilität der Materialien soll im Projekt untersucht werden.
„Damit CO₂-Abscheidung in der Zementindustrie zuverlässig funktioniert, müssen die eingesetzten Materialien auch unter den sehr anspruchsvollen und wechselnden Bedingungen stabil bleiben. Im Projekt DECIDE untersuchen wir erstmals systematisch, wie reale Rauchgase aus der Zementindustrie auf Adsorbentien wirken, und schaffen so die Grundlage für robuste, industrielle Prozesse, die durch effiziente Dekarbonisierung einen schnellen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, so Prof. Dr. Philipp Keil, Projektleiter seitens der OTH Regensburg.
Tests in Pilotanlage
Gemeinsam mit der Linde GmbH wird eine mobile Containeranlage aufgebaut, die direkt an einem Zementwerk eingesetzt wird. Dort werden kommerziell verfügbare Adsorbentien im Langzeitbetrieb unter Realbedingungen getestet. Ergänzend dazu erfolgen Laboruntersuchungen, um Zusammenhänge zwischen Gaszusammensetzung, Prozessparametern und Materialeigenschaften zu analysieren. Ziel ist es, geeignete Materialien und Betriebsbedingungen für den industriellen Einsatz abzuleiten.
Die OTH Regensburg erhält für ihren Projektteil eine Förderung vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) von rund drei Millionen Euro.







