Mit der neuen Nachwuchsforschungsgruppe BioWin untersucht die TU Bergakademie Freiberg (TUBAF), wie aus Resten der regionalen Agrarwirtschaft hochwertige, wiederverwendbare Materialien entstehen können. Vier junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten daran, Reststoffe wie Rapsstroh, Obsttrester oder Kartoffelschalen in funktionale Produkte zu überführen. Potenzial für die Anwendung sehen sie bei mehr als 18.000 bioökonomisch aktiven Betrieben in Sachsen.
Aufbereitung und Materialentwicklung
Die Forschungsgruppe beschäftigt sich mit drei Herstellungsverfahren, bei denen Fasern im Mikrometer- oder Nanometerbereich sowie definierte Schichten gewonnen werden. Die biogenen Reststoffe werden zunächst mechanisch und mithilfe grüner Lösungsmittel in ihre Bestandteile zerlegt. Anschließend stellt das Team im Labor neue Materialien her – unter anderem mittels Elektrospinnen, Nassspinnen oder Sprühbeschichten.
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit im Blick
Parallel zur Materialentwicklung prüfen die Nachwuchsforschenden aus den Wirtschaftswissenschaften die ökonomischen und ökologischen Perspektiven der Verfahren. Simulationen und Potenzialanalysen sollen in einer Datenbank aufbereitet und interessierten Unternehmen zugänglich gemacht werden.
„Schlussendlich wollen wir möglichst alles aus der komplexen Struktur der Biomasse verwerten und dafür eine grüne Chemie mit nachhaltigen Prozessen nutzen. Kombiniert werden die praktischen Arbeiten im Labor mit einer detaillierten Wirtschaftlichkeits- und Nachhaltigkeitsanalyse. Wir sind Nachhaltigkeitsenthusiasten und genau das ist das Besondere am Projekt BioWin und an unserer Nachwuchsforschungsgruppe“, so die Leiterin der Nachwuchsgruppe Dr. Vanessa Castro.
Wissensaufbau und Netzwerkintegration
Die Mitglieder der Nachwuchsgruppe erweitern nicht nur ihre fachliche Expertise, sondern beschäftigen sich auch mit Themen wie Netzwerkarbeit und Unternehmensgründung sowie Diversität und Gleichstellung.
BioWin wird zudem in das Freiberg Center for Circular Economy (FCCE) eingebunden, das als Kompetenzzentrum im Bereich Kreislaufwirtschaft an der TUBAF fungiert.
Förderung durch EU und Freistaat Sachsen
Das Vorhaben wird mit rund 1,2 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) sowie Landesmitteln des Freistaates Sachsen unterstützt. Ziel der Förderung ist es, wissenschaftlichen Nachwuchs auszubilden und gleichzeitig Entwicklungen für eine nachhaltige und digitale Wirtschaft im Freistaat voranzubringen.







