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Forschung: Algendünger aus Abwässern

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Autor: Isabell Hochstrat

Forschung: Algendünger aus Abwässern
Sie erproben, wie gut die Algen-Produktionsanlage in Lichtenau Nährstoffe aus Klärwasser gewinnt (v.li.): Dr.-Ing. Diana Reinecke-Levi vom Forschungszentrum Jülich, Henning Suchanek von den Stadtwerken Lichtenau, Prof. Dr. Olaf Kruse vom Centrum für Biotechnologie der Universität Bielefeld und Georg Wigge von den Stadtwerken Lichtenau.

Forschende der Universität Bielefeld und des Forschungszentrums Jülich untersuchen im Rahmen des NRW-Projekts BiNäA, wie sich Nährstoffreste im Abwasser mit der Hilfe von Mikroalgen in den Düngekreislauf zurückführen lassen. Die Algen nutzen die Nährstoffe, um zu wachsen – und können so selbst als Düngemittel verwendet werden.

Ein Kreislaufsystem für Düngemittel

Pflanzen benötigen Nährstoffe wie Phosphor, Stickstoff und Kalium. Diese Elemente sind daher zentrale Bestandteile von Dünger. Bei der Düngung von Feldern versickert ein Teil des Düngemittels im Boden – und mit ihm wichtige Nährstoffe.

„Die Idee unseres Projekts ist, mithilfe von Algen ein Kreislaufsystem zu errichten“, sagt Professor Dr. Olaf Kruse, wissenschaftlicher Direktor am Centrum für Biotechnologie (CeBiTec) der Universität Bielefeld. Er leitet die Arbeitsgruppe Algenbiotechnologie und Bioenergie und koordiniert BiNäA. „Wir versuchen, wichtige Nährstoffe zu recyceln und sie am Ende wieder als Düngemittel zu benutzen.“ BiNäA steht für Biologischer Nährstofftransfer durch Mikroalgen.

„Es gibt zum Beispiel nur ein begrenztes Vorkommen an Phosphor. Bei solchen Stoffen ist es wichtig, möglichst nachhaltig mit ihnen umzugehen“, sagt Kruse. Auch Stickstoff sei ein Problem: Der Anteil, den die Pflanzen nicht verbrauchen, gelangt als Nitrat in das Grundwasser. Das kann negative Folgen für die Trinkwasserversorgung haben.

Algen-Biomasse als nachhaltiger Dünger

Algen sind in der Lage, Phosphor, Stickstoff und Kalium aus Abwässern zu verwerten. Algen nutzen diese Stoffe, um zu wachsen – und das laut Kruse auf sehr nachhaltige Art und Weise: Sie brauchen außer einigen Mineralien nichts weiter als Sonnenlicht und Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre. Im BiNäA-Projekt versuchen die Wissenschaftler:innen, Mikroalgen, die bereits im Abwasser vorhanden sind, möglichst effizient zu vermehren und mit Nährstoffen anzureichern. Die so gewonnene Algen-Biomasse lässt sich trocknen und als Düngemittel verwenden.

Pilotanlage zur Algenproduktion

Nach und nach wächst in der Anlage ein dicker Algenteppich heran. Die Algen enthalten wichtige Nährstoffe und können als Düngemittel verwendet werden. © Universität Bielefeld

Ein besonderer Fokus des Projekts liegt auf der Nährstoffgewinnung aus Klärwasser: Abwasser, das die Reinigungsstufen der Kläranlage schon durchlaufen hat und wieder zurück in den natürlichen Wasserkreislauf geleitet werden soll. Dieses Wasser enthält noch sehr viel Phosphor und Stickstoff. Gemeinsam mit den Stadtwerken Lichtenau haben die Wissenschaftler:innen eine Versuchsanlage zur Algenproduktion neben der Kläranlage Altenautal in Lichtenau aufgebaut.

In der Versuchsanlage wird das nährstoffreiche Wasser über eine geneigte Reaktorfläche geleitet, auf der dann ein natürlicher Algenteppich heranwächst. Die Algen binden Kohlendioxid aus der Luft und führen dem Wasser Sauerstoff zu. Somit produziert die Anlage nicht nur Algen, die Landwirt:innen als Düngemittel verwenden können, sondern hilft auch dabei, das Abwasser zu filtern und die Wasserqualität zu verbessern.

Optimierung der Kläranlagen im Fokus

„Wir sind immer daran interessiert, unsere Kläranlagen zu optimieren. Für die Zukunft können sich so neue Möglichkeiten der biologischen Abwasserreinigung ergeben“, sagt Henning Suchanek, der technische Betriebsleiter Abwasserversorgung bei den Stadtwerken Lichtenau. „Der Nährstofftransfer aus den städtischen Abwässern in die Landwirtschaft ist gerade im ländlichen Bereich wichtig.“

Algenteppichsysteme: Einfach, stabil, preiswert

Die Stadtwerke Lichtenau haben die Testanlage angeschafft und kümmern sich um Wartungs- und Reparaturarbeiten. Solche Systeme zur Wasseraufreinigung mittels Algenteppich gibt es bereits weltweit, oft werden sie als Algal Turf Scrubber (ATS, Algenteppichsysteme) bezeichnet.

„Unsere ATS-Anlagen zeichnen sich durch ihre einfache Handhabung, stabile Kultivierung, und geringere Kosten aus. Das macht sie für die dezentrale Abwasseraufbereitung und regionale Landwirtschaft so attraktiv”, so Dr.-Ing. Diana Reinecke-Levi vom Bereich Pflanzenwissenschaften am Institut für Bio- und Geowissenschaften (IGB-2).

Algendünger oft sogar besser

Mit der Versuchsanlage in Lichtenau prüfen und optimieren die Forschenden im Projekt das Verfahren zur Nährstoffgewinnung. Die Biotechnolog:innen vom Bielefelder CeBiTec untersuchen etwa, welche Algenarten dort heranwachsen und wie hoch der Anteil an Phosphor und Stickstoff ist. Wie der entstandene Algendünger im Vergleich abschneidet, testen die Wissenschaftler:innen am Jülicher IBG-2 derzeit an Weizenpflanzen. Erste Ergebnisse zeigen: Der Algendünger funktioniert – und zwar mindestens so gut wie herkömmlicher Mineraldünger, oft sogar besser. Darüber hinaus befasst sich das Projekt auch mit der Nachhaltigkeit des Algendüngers und erforscht, ob von ihm Risiken für Mensch und Umwelt ausgehen. Das Land NRW fördert das Projekt BiNäA mit rund 413.000 Euro.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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