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Digitalisierung: Potenziale in der modernen Fertigung

Geschäftsentscheider der Fertigung müssen begreifen, wie kritisch die Integration fortschrittlicher Technologien wie KI, Cloud-Lösungen und digitaler Transformationstools für die Zukunft der gesamten Branche ist. Diese Technologien sind keine fernen Visionen mehr, sondern konkrete Werkzeuge, die heute schon Wettbewerbsvorteile schaffen und die industrielle Effizienz steigern.

von | 12.06.24

Benjamin Brockmann: Mehr Mut bei der Digitaliserung
Quelle: Operation1
Benjamin Brockmann, Co-Founder und CEO von Operations1

Stillstand hemmt. Fortschritt verspricht langfristig Erfolg und Wachstum. Produzierende Unternehmen sind davon nicht ausgenommen. Die Studie „Zukunft Industrie“ von Staufen benennt digitale Exzellenz als eine von vier Dimensionen der Wettbewerbsfähigkeit und elementare Grundlage für ein nachhaltiges, wandlungs- und widerstandsfähiges Unternehmen.

Auch wenn die Digitalisierung, geschweige denn die Einführung von KI in der modernen Fertigung vergleichsweise langsam voranschreitet, so zeigen Praxisbeispiele im Rahmen des Future Manufacturing Event von Operations1, wie Industrieunternehmen heute von fortschrittlichen Technologien und intelligenten Fertigungsstrategien profitieren können.

Im Folgenden sind daher einige der wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst. Brockmann leitet ab, wie die Digitalisierung in der Fertigung künftig weiter vorangetrieben werden kann.

Wie weit ist die Digitalisierung in der Fertigung?

Noch vor ein paar Jahren war Industrie 4.0 das große Schlagwort. Laut einem Studienbericht der BitKom aus dem Jahr 2022 wollten 90 % der befragten Unternehmen künftig Anwendungen für Industrie 4.0 nutzen oder planten dies.

Eine aktuelle Umfrage von Staufen zur Digitalisierung 2024 beweist jedoch, dass der Großteil der an sich willigen Unternehmen diese Pläne aufgrund mangelnder personeller Ressourcen (58 %) sowie unstrukturierter Daten (53 %) nicht oder nur schleppend umsetzt. Dabei sind die Voraussetzungen grundsätzlich gegeben. Der Markt bietet mittlerweile viele verschiedene Lösungen, die die unterschiedlichsten Unternehmensbereiche digital unterstützen. Ohne großen personellen Aufwand.

Shopfloor-Prozesse vorantreiben

Die ProMinent GmbH ist ein gutes Beispiel, warum traditionelle Workflows dringlich in digitale Prozesse übersetzt werden sollten. Dies gilt vor allem bei geringen internen Personalressourcen. Zuvor arbeitete der Hersteller für Dosiertechnik und Dosierpumpen mit analogen Fehlerkarten. Christian Braun von ProMinent beschreibt den ehemaligen Prozess als sehr langwierig. Mitarbeitende mussten Fehlercodes erst auf A4-Listen nachschlagen, bevor sie die Karten überhaupt ausfüllen konnten. Hinzu kam noch eine Begleitkarte, die an das entsprechende Produkt geheftet werden musste. Allerdings nahm nicht jeder Mitarbeitende diese Aufgabe immer zur selben Zeit vor. Einige sammelten sogar über die gesamte Woche Daten, um sie dann mit einem Mal händisch – daher oft nicht mehr korrekt – einzutragen. Die Fehlerkarten gelangten anschließend zum nächsten Mitarbeitenden, der die Ergebnisse manuell in Excel einpflegen musste. Im laufenden Verfahren kamen weitere Excellisten hinzu. Viel Aufwand also, der die Mitarbeitenden viel Zeit kostete.

Digitalisierung: Informationen bündeln

Deshalb plant das Qualitätsmanagement von ProMinent die Einführung digitaler Checklisten, Arbeitsanweisungen und Fehlersammelkarten. Dies ermöglicht eine digitale Oberfläche, die alle Informationen bündelt.  Pro Fehlercode gibt es somit nur noch eine zugehörige Fehlerkarte. Die Begleitkarte wird durch einen QR-Code ersetzt, den der Werker lediglich aufkleben muss. In unserer Connected Worker Plattform laufen dann alle Daten zusammen und dank SAP-Anbindung kann auch direkt eine Auswertung digital zusammengestellt werden.
Bei der Einführung digitaler Prozesse ist es besonders wichtig, die Mitarbeitenden vom ersten Schritt an abzuholen und das künftige Verfahren verständlich vorzuführen. Auch bei alteingesessenen Werkern wich die anfängliche Skepsis schnell großer Begeisterung, nachdem ihnen das bequeme und zeitsparende Scanverfahren demonstriert worden war.

Standardisierte Prozesse und Cloud-Lösungen für mehr Flexibilität

Insbesondere in der Qualitätsprüfung zeigen sich die Vorteile der Digitalisierung. Beim Hersteller für u. a. Aufklärungsdrohnen, der Quantum-Systems GmbH, war der Schritt in Richtung digitale Zukunft unausweichlich, weil aufgrund der steigenden Absatzmengen sowie der schnell gewachsenen Belegschaft die Auftragsabwicklung nicht mehr in der gewohnten Qualität gestemmt werden konnte. Zudem unterliegt die Produktion gesonderten Auflagen, denn jedes verbaute Teil muss per Seriennummer eindeutig nachvollziehbar sein. Ein Akt, der zuvor papierbasiert festgehalten und umständlich eingescannt worden war.

Durch die Digitalisierung wurden leicht nachvollziehbare Arbeitsanleitungen geschaffen, die neue Mitarbeitenden mit deutlich verkürzter Einlernphase in die Produktion einsteigen lassen. Insgesamt wurden die Prozesse durch die Digitalisierung transparenter und jederzeit nachvollziehbar, wodurch sich Quantum-Systems für die im Luft- und Raumfahrt-Bereich wichtige EN9100-Zertifizierung qualifizieren konnte. Weil alle Anleitungen digital in der Cloud liegen, sind Anpassungen schnell und übergreifend möglich. So wird jederzeit flexibel auf Kundenwünsche und Änderungen reagiert.

Künstliche Intelligenz als Wettbewerbsvorteil

Neben der Digitalisierung spielt auch die Intelligente Fertigung, also der Einsatz von KI, eine immer größere Rolle. Durch die Möglichkeiten von KI, Vorhersagen zu treffen und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten, ergeben sich für Fertigungsunternehmen in vielen Bereichen neue Potenziale. Und zwar von der Auftragsabwicklung bis hin zur Qualitätskontrolle. Dennoch stellt sich gerade Traditionsbetrieben die Frage, wie das gehen soll.
Dabei muss es gar nicht immer sofort ein großangelegtes KI-Projekt sein. Ein Beispiel, wie sich KI einfach und vor allem sinnvoll in bestehende Prozesse einbinden lässt, ist unser AI Shopfloor Assistant. Dieser Assitent ist nahtlos in unsere Connected Worker Plattform integriert und gestaltet Prozesse für Unternehmen effizienter.

Die Nutzung von KI auf dem Shopfloor löst künftig zahlreiche Probleme und führt dank Technologien wie maschinellem Lernen und Computer Vision zu verbesserten Interaktionen zwischen Menschen und Maschine. Dies erlaubt es den Mitarbeitenden, sich stärker auf wertschöpfende Tätigkeiten zu fokussieren.

Fazit: Gestärkt in die Zukunft der Fertigung

Die Fertigungsindustrie steht an einem Wendepunkt und wer jetzt nicht den Schritt voran wagt, wird über kurz oder lang abgehängt. Daher empfiehlt Lena Weirauch, CEO & Co-Founder bei ai-omatic solutions, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen. Geschäftsentscheider der Fertigung müssen begreifen, wie kritisch die Integration fortschrittlicher Technologien wie KI, Cloud-Lösungen und digitaler Transformationstools für die Zukunft der gesamten Branche ist.

Diese Technologien sind keine fernen Visionen mehr, sondern konkrete Werkzeuge, die heute schon Wettbewerbsvorteile schaffen und die industrielle Effizienz steigern. Es ist spürbar, dass die Angst vor neuen Technologien Schritt für Schritt schwindet und einer pragmatischen und zielorientierten Akzeptanz Platz macht. Dies spiegelt einen globalen Trend wider, der über Industriegrenzen hinweg an Bedeutung gewinnt.

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