Generic filters
FS Logoi

CO2-Recycling: Umwandlung in Rohstoffe

Das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid lässt sich durch Elektrolyse zu nützlichen Kohlenwasserstoffen umwandeln. Das Design der Elektrolysezelle ist dabei entscheidend. Für industrielle Prozesse eignet sich vor allem die so genannte Zero-Gap-Zelle. Doch noch gibt es Probleme: Die Kathoden verstopfen schnell. Nun hat ein Team um Dr. Matthew Mayer am HZB untersucht, woran dies liegt und wie sich dieser unerwünschte Prozess verhindern lässt.

von | 09.05.23

(Foto: AdobeStock_257388645)
CO2-Abtrennung
09.05.2023 Ι Das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid lässt sich durch Elektrolyse zu nützlichen Kohlenwasserstoffen umwandeln. Das Design der Elektrolysezelle ist dabei entscheidend. Für industrielle Prozesse eignet sich vor allem die so genannte Zero-Gap-Zelle. Doch noch gibt es Probleme: Die Kathoden verstopfen schnell. Nun hat ein Team um Dr. Matthew Mayer am HZB untersucht, woran dies liegt und wie sich dieser unerwünschte Prozess verhindern lässt.

Bei der Verbrennung von Erdöl, Kohle oder Erdgas entsteht Kohlenstoffdioxid oder CO2. Dieses Gas treibt einerseits die globale Erwärmung voran, ist aber auch selbst ein Rohstoff. Technisch ist es möglich, CO2 zu nützlichen Kohlenstoffverbindungen umzuwandeln, allerdings benötigt dieser Prozess Energie, Wasser, geeignete Elektroden sowie spezielle Katalysatoren. CO2 kann elektrochemisch zu Kohlenmonoxid, Formiat oder Methan umgewandelt werden, aber auch zu Ethylen, Propanol, Acetat und Ethanol. Industrielle Prozesse müssen jedoch so gestaltet werden, dass sie hoch selektiv und extrem effizient sind, so dass ausschließlich die gewünschten Produkte entstehen (und nicht etwa ein Gemisch von Produkten).

Umwandlung von CO2 in Brennstoff

„Durch die elektrolytische Reduktion von CO2 zu nützlichen Kohlenwasserstoffen können wir neue Brennstoffe erzeugen, ohne nochmals fossile Ressourcen zu brauchen. Wir führen das CO2 sozusagen in den Kreislauf zurück, wie beim Recycling“, erläutert Dr. Matthew Mayer, der am HZB die Helmholtz-Nachwuchsgruppe „Elektrochemische Konversion” leitet. Die elektrische Energie für die Elektrolyse kann dabei aus Wind oder Sonne kommen.

Die Zelle „ohne Lücke“:

Aus der Schule kennt man Elektrolysezellen, die wie ein Wasserbecken aussehen, eine Weiterentwicklung davon ist die H-Zelle, die wie der Buchstabe H geformt ist. Industrietauglich sind solche Zellen jedoch nicht. Stattdessen setzt man für das Design von industriellen Elektrolyseuren auf eine Sandwich-Architektur aus mehreren Schichten: Rechts und links die Elektroden, die den Strom leiten und mit Katalsysatoren beschichtet sind, eine Kupferbasierte Gasdiffusionsschicht, die das CO2-Gas einlässt, sowie eine Trennmembran. Der Elektrolyt (hier an der Anode zugeführt und als Anolyt bezeichnet) besteht aus gelösten Kaliumverbindungen und ermöglicht den Ionen, zwischen den Elektroden zu wandern. Die Membran ist dafür ausgelegt, negativ geladene Ionen durchzulassen, und positiv geladene Kalium-Ionen zu blockieren.

Problem: Kalium-Kristalle aus dem Elektrolyten

Dennoch gelangen Kalium-Ionen aus dem Elektrolyten durch die Membran und bilden winzige Kristalle an der Kathode, die die Poren verstopfen. „Das sollte nicht passieren“, sagt Flora Haun, Doktorandin im Team von Matthew Mayer. Mit Rasterelektronenmikroskopie und weiteren Charakterisierungsmethoden hat das Team den Prozess der Kristallbildung an der Kathode eingehend untersucht, wobei sie systematisch die Konzentration des Elektrolyten variierten.

Je mehr Kalium der Elektrolyt enthält, desto mehr verstopft die Kathode, zeigten die Untersuchungen. Doch die Lösung des Problems ist nicht einfach: Denn wenn man die Kalium-Konzentration reduziert, verschiebt sich damit auch das Reaktionsgleichgewicht: Statt dem gewünschten Ethylen entsteht Kohlenmonoxid.

„Die wichtigste Beobachtung ist, dass Kationen die Anionenaustauschmembran doch durchdringen können, allerdings in einem Ausmaß, das von der Konzentration des Elektrolyten abhängt, und dass wir mit der Konzentration des Elektrolyten gleichzeitig regeln, welche Produkte sich aus dem CO2 bilden“, sagt Dr. Gumaa El Nagar, Postdoktorand im Team. „Im nächsten Schritt wollen wir mit operando und in situ Messungen an Röntgenquellen herausfinden, wie die Ionenwanderung in der Zelle die chemischen Reaktionsprozesse im Detail beeinflussen“, sagt Matthew Mayer.

Originalpublikation:

Nature Communications (2023):

Unintended cation crossover influences CO2 reduction selectivity in Cu-based zero-gap electrolysers

Gumaa A. El-Nagar, Flora Haun, Siddharth Gupta, Sasho Stojkovikj & Matthew T. Mayer
DOI: 10.1038/s41467-023-37520-x

Zur Publikation

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand, alle 2 Wochen in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Powtech 26: Druckluftversorgung für Schüttgutförderung
Powtech 26: Druckluftversorgung für Schüttgutförderung

Kaeser Kompressoren zeigt auf der Powtech Technopharm verschiedene Druckluftlösungen für die Schüttgut- und Pulvertechnik. Das Spektrum reicht von einer kompakten Kompressorstation über Schrauben- und Drehkolbengebläse bis zu ölfrei verdichtenden Schraubenkompressoren und einer übergeordneten Steuerung für Druckluft- und Gebläsestationen.

mehr lesen
Deutscher Umweltpreis für energieeffiziente Membrantechnik
Deutscher Umweltpreis für energieeffiziente Membrantechnik

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zeichnet den Ingenieur und Membion-Geschäftsführer Dr. Klaus Vossenkaul mit dem Deutschen Umweltpreis 2026 aus. Gewürdigt wird seine Weiterentwicklung der Membranbioreaktor-Technologie für die Abwasserreinigung, mit der sich insbesondere der Energiebedarf für die Spülung der Membranen reduzieren lässt.

mehr lesen
Elektrifizierte Zementproduktion ermöglicht CO₂-Abscheidung
Elektrifizierte Zementproduktion ermöglicht CO₂-Abscheidung

Forschende der ETH Zürich haben untersucht, wie sich die Zementproduktion mit Direct Air Capture auf Basis von Kalzium-Looping verbinden lässt. Ihren Berechnungen zufolge könnten Elektrifizierung und direkte CO₂-Abscheidung die Klimawirkung der Zementproduktion bis 2050 um 78 Prozent senken. Durch zusätzliche Aufnahme von CO₂ aus der Umgebungsluft könnte der Gesamtprozess sogar eine negative CO₂-Bilanz erreichen.

mehr lesen
Beschichtungslinie ergänzt Produktion von Batterieseparatoren
Beschichtungslinie ergänzt Produktion von Batterieseparatoren

Asahi Kasei hat an seinem Standort in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina eine Beschichtungslinie für Hipore-Nassprozess-Batterieseparatoren eröffnet. Damit schafft das Unternehmen erstmals regionale Beschichtungs- und Lieferkapazitäten für diese Separatortechnologie in Nordamerika.

mehr lesen
Entwässerungssystem für Kunstrasenplätze
Entwässerungssystem für Kunstrasenplätze

Im EU-Forschungsprojekt LIFE T4C (Turf4Circular) werden Lösungen für ein nachhaltiges Regenwassermanagement auf Kunstrasenplätzen entwickelt und unter Praxisbedingungen erprobt. Hauraton bringt dafür ein Entwässerungs- und Filtersystem mit digitaler Zustandsüberwachung in zwei Demonstrationsanlagen in Spanien ein.

mehr lesen

Sie möchten die F&S Filtrieren und Separieren testen?

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die F&S kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03
Datenschutz
fs-journal.de, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
Datenschutz
fs-journal.de, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: