Generic filters
FS Logoi

Anlage für synthetisches Erdgas in Duisburg

Am Zentrum für Brennstoffzellen-Technik in Duisburg wurde eine Liquid-Solar-Anlage zur Erzeugung synthetischer Energieträger in Betrieb genommen. Die Anlage kombiniert CO2-Abscheidung aus der Umgebungsluft mit elektrochemischer Umwandlung und soll jährlich rund 40 Tonnen CO2 binden.

von | 26.11.25

Gruppenfoto vor der neuen Anlage mit Ministerpräsident Hendrik Wüst (1. Reihe, 4. v.l.) und Rektorin Prof. Dr. Barbara Albert (1. Reihe 3. v.r)
Quelle: Britt Knautz
LiquidSolar UDE Anlage

Am Zentrum für Brennstoffzellen-Technik (ZBT), einem An-Institut der Universität Duisburg-Essen, hat Greenlyte Carbon Technologies seine erste kommerzielle Liquid-Solar-Anlage in Betrieb genommen. Die Technologie basiert auf Forschungsarbeiten, die an der Universität Duisburg-Essen (UDE) entwickelt wurden, und verbindet Direct-Air-Capture-Prozesse mit elektrochemischen Verfahren zur Bereitstellung von CO2 und Wasserstoff als Ausgangsstoffe für synthetische Kraftstoffe.

Die Eröffnung der Anlage erfolgte am 29. November 2025 im Beisein politischer und wissenschaftlicher Vertreterinnen und Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen.

DAC-Technologie für synthetische Energieträger

Die Anlage nutzt Direct-Air-Capture (DAC), um CO2 aus der Umgebungsluft zu entfernen und für die Herstellung synthetischer Energieträger bereitzustellen. Damit adressiert die Technologie Anwendungen in der Luft- und Schifffahrt sowie in industriellen Prozessen, in denen klimaneutrale Kraftstoffe eine zentrale Rolle spielen.

Am Standort Duisburg können jährlich rund 40 Tonnen CO2 als Reingas bereitgestellt werden. Ein Teil davon wird im ZBT zu etwa fünf Tonnen synthetischem Erdgas (SNG) umgesetzt. Die Liquid-Solar-Anlage ist vollständig elektrifiziert und modular aufgebaut, wodurch sie gut skalierbar ist und ohne die hohen Betriebstemperaturen auskommt, die bei anderen Verfahren üblich sind.

„Das Wasserstoff-Testfeld des ZBT befindet sich 20 km entfernt vom Firmensitz der Greenlyte Carbon Technologies. Wir glauben an schnelle, iterative Entwicklungsprozesse, für die räumliche Nähe und ein enger Austausch mit den Kolleg:innen von unschätzbarem Wert sind. Am Standort selbst, aber insgesamt im Ruhrgebiet, wurde über die letzten Jahre eine Fülle an Infrastruktur und Wasserstoff-Know-how aufgebaut, von dem wir als innovatives Unternehmen sehr profitieren. Hier können wir unsere Technologie im industriellen Maßstab weiterentwickeln, um sie robust und über viele tausend Stunden validiert im nächsten Schritt zu kommerzialisieren. Die Eröffnung heute ist für uns ein wichtiger Meilenstein in der Demonstration unserer Technologie auf industrieller Skala“, sagte Mitgründer Dr. Niklas Friederichsen.

Forschungsbasierte Entwicklung

Die zugrunde liegende Technologie geht auf die langjährige Forschungsarbeit von Dr. Peter Behr an der UDE zurück. Gemeinsam mit Florian Hildebrand und Dr. Niklas Friederichsen gründete er 2022 die Greenlyte Carbon Technologies GmbH.

An der aktuellen Anlagenrealisierung beteiligten sich neben dem Lehrstuhl für Energieverfahrenstechnik und Energiesysteme der UDE auch der Lehrstuhl für Technische Thermodynamik der RWTH Aachen. Die UDE unterstützte die Gründung über das Zentrum Guide.

„Diese Anlage zeigt eindrucksvoll, wie Ergebnisse der universitären Forschung in Startups und industrielle Dimensionen transferiert werden können. Mit Greenlyte wird Wissen aus der Forschung umgesetzt in moderne Technologie für Klimaneutralität“, so Prof. Dr. Barbara Albert, Rektorin der Universität Duisburg-Essen.

Modularer Prozessaufbau

Das DAC-Verfahren arbeitet kontinuierlich und umfasst drei zentrale Schritte:

Bei der Absorption wird die Umgebungsluft durch eine Säule geleitet, in der Kohlendioxid (CO₂) mit einem unternehmenseigenen Absorptionsmittel reagiert. Das Gas wird dabei in Form von Bicarbonat chemisch gebunden.

Anschließend wird bei der Kristallisation und Trennung die bicarbonatreiche Lösung kontrolliert auskristallisiert. Dabei bilden sich feste Carbonatkristalle, die unkompliziert zu handhaben und zu lagern sind.

Bei der elektrochemischen Desorption wird eine wässrige Bicarbonatlösung elektrochemisch direkt zu Kohlendioxid (CO2) und Wasserstoff (H2) umgewandelt. H2 und CO2 stehen direkt als Ausgangsstoff für die Synthese von synthetischem Kraftstoff wie SNG oder Methanol zur Verfügung. Das Absorptionsmittel wird für den nächsten Zyklus regeneriert.

Der modulare Aufbau ermöglicht somit den Betrieb mit erneuerbaren Energiequellen und nutzt ausschließlich ungiftige Materialien.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand, alle 2 Wochen in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Projekt MANTRA unterstützt Forschung für Materialinnovationen
Projekt MANTRA unterstützt Forschung für Materialinnovationen

Das Verbundprojekt MANTRA begleitet seit 2024 die 15 geförderten Forschungsprojekte aus der Fördermaßnahme „MaterialNeutral – Ressourcensouveränität durch Materialinnovationen“ aus Modul 1 „Materialien
für Prozesseffizienz“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt dabei in den Bereichen Katalyse und Membranen.

mehr lesen
F&S 2026: Ein Jahr der Schlüsseltechnologien
F&S 2026: Ein Jahr der Schlüsseltechnologien

Die F&S-Redaktion blickt auf ein Jahr 2026, das technologisch und thematisch Weichen stellt: Aerosoltechnologie, Wasser- und Umweltverfahren, industrielle Filtration, Prozessindustrie, Lebensmitteltechnologien und Membranverfahren stehen im Fokus. Jede Ausgabe begleitet Branchenevents, auf denen die Fachzeitschrift in hoher Auflage ausliegt.

mehr lesen
Nicht-Abgas-Emissionen dominieren Feinstaub im Straßenverkehr
Nicht-Abgas-Emissionen dominieren Feinstaub im Straßenverkehr

Eine Studie der TU Graz hat gezeigt, dass Reifen- und Straßenabrieb sowie Bremsemissionen heute den größten Teil der Partikelbelastung im Straßenverkehr verursachen. Abgaspartikel spielen dagegen nur mehr eine untergeordnete Rolle. Trotz technischer Fortschritte werden die ab 2030 geltenden Luftqualitätsgrenzwerte vielerorts schwer einzuhalten sein.

mehr lesen

Sie möchten die F&S Filtrieren und Separieren testen?

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die F&S kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03