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CCS-Kosten deutlich über aktuellem CO2-Preis

Agora Industrie und das Öko-Institut haben die Kosten von Carbon Capture and Storage (CCS) neu berechnet. Demnach liegt der Aufbau einer CO2-Abscheide- und Speicherinfrastruktur deutlich über dem aktuellen CO2-Preis im Emissionshandel.

von | 23.02.26

Offshore-Projekte sollen CO2 unter dem Meeresboden speichern – hohe Investitionskosten und lange Projektlaufzeiten bremsen den Ausbau.
Quelle: Elliott Day /Pixabay
Offshore CCS CO2

Carbon Capture and Storage (CCS) gilt als notwendige Option für Emissionen, die sich technisch kaum vermeiden lassen. Neue Berechnungen von Agora Industrie und dem Öko-Institut zeigen jedoch: Das Abscheiden, der Transport und die Speicherung von Kohlendioxid kosten zwischen 150 und 300 Euro pro Tonne.

Damit liegen die Kosten deutlich über dem aktuellen CO2-Preis von rund 85 Euro pro Tonne im Europäischen Emissionshandel (ETS I). Laut Analyse sind bestehende oder geplante Speicherprojekte mindestens 50 Prozent teurer, als frühere Prognosen vermuten lassen. Unter diesen Bedingungen rechne sich der Aufbau einer vollständigen CCS-Prozesskette derzeit nicht.

Hinzu kommen lange Entwicklungszeiten: Der Bau von CO2-Speichern unter dem Meeresboden dauert nach Angabe der Studienautor:innen zwischen sechs und 13 Jahren.

„Erste CCS-Projekte zeigen: Für schwer vermeidbare Emissionen gibt es eine realistische klimaneutrale Perspektive. CCS ist jedoch noch teuer. Damit der Markthochlauf von CCS in Deutschland und Europa gelingt, muss die politische Unterstützung vor allem darauf abzielen, die Kostenlücke zum CO₂-Preis zu schließen und den Bau von CO₂-Infrastruktur abzusichern. Entscheidend ist nun eine gezielte Unterstützung der Bundesregierung, um Branchen ohne Alternativen zur Emissionsminderung – etwa der Zement- und Kalkindustrie sowie der Abfallwirtschaft – eine klimaneutrale Zukunft in Deutschland zu ermöglichen“, so Dr. Julia Metz, Direktorin von Agora Industrie.

Politische Rahmenbedingungen fehlen

Zwar hat die Bundesregierung mit der Novelle des Kohlenstoffdioxidspeichergesetzes die rechtliche Grundlage für einen kommerziellen Einsatz von CCS geschaffen. Für den Markthochlauf fehlen jedoch weitere zentrale Voraussetzungen.

Agora Industrie und das Öko-Institut fordern eine industriepolitische Strategie für den gezielten Einsatz von CCS, einen robusten CO2-Preis sowie finanzielle und planerische Instrumente zum Aufbau einer CO2-Transport- und Speicherinfrastruktur. Förderinstrumente und staatliche Absicherungsgarantien könnten die Kostenlücke in der Hochlaufphase überbrücken.

Begrenzte Speicherkapazitäten

Für ihre Analysen werteten die Organisationen Offshore-CCS-Projekte im Europäischen Wirtschaftsraum und in Großbritannien aus. Die derzeit absehbare Einspeicherleistung liegt demnach Anfang der 2030er Jahre bei rund zehn Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Das entspricht nur einem Fünftel des EU-Ziels von 50 Millionen Tonnen bis 2030.

Um den Speicherbedarf bis 2050 zu decken, müssten nach Berechnungen der Autor:innen jährlich zwei Großspeicher mit jeweils fünf Millionen Tonnen Kapazität in Betrieb gehen.

Priorisierung unvermeidbarer Emissionen

„Die jährlichen Speicherkapazitäten für CO₂ wachsen nur langsam. Deshalb sind jetzt zwei Dinge zentral: Erstens muss der Hochlauf beschleunigt werden, indem die Bundesregierung verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen entlang der CCS-Wertschöpfungskette schafft. Zweitens sollten Deutschland und die EU sicherstellen, dass die begrenzten Speicherkapazitäten den Emissionen vorbehalten bleiben, für die es keine Alternativen gibt“, so Metz.

Für den weiteren Ausbau verweisen sie auf das angekündigte CO2-Infrastrukturpaket der EU-Kommission im Herbst 2026, das zentrale Rahmenbedingungen klären soll.

Zur Publikation „Carbon Capture and Storage (CCS) in der Energiewende zur Klimaneutralität – Der infrastrukturelle und regulatorische Rahmen für CO2-Transport und -Speicherung“ von Öko-Institut und Agora Industrie.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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